Entspiegelung / entspiegelte Brillengläser

Die Entspiegelung ist eine Oberflächenveredelung von Brillengläsern. Für eine optimale Sicht ist es wichtig, dass möglichst viel Licht an das Auge gelangt. Jedes Glas reflektiert aber einen Teil des eintreffenden Lichts (bei unbehandelten Gläsern bis zu 10%), was zu einem Helligkeitsverlust und einer unscharfen und verschwommenen Sicht führt. Ein weiteres Problem unbehandelter Gläser, besteht darin, dass der Gesprächspartner Reflexionen in der Brille sieht.

Eine Entspiegelung sorgt für ein farbgetreueres und deutlicheres Sehen, indem das Glas mit einer mehrlagigen Beschichtung versehen wird, die jedoch so dünn ist, dass sich die Dicke des Brillenglases kaum ändert.

Wie funktionieren entspiegelte Brillengläser?

Das Licht, welches auf unsere Brillengläser trifft, ist nichts anderes als elektromagnetische Strahlung. Diese Strahlung breitet sich in Form von Wellen aus. Das Farbspektrum, also der Bereich der elektromagnetischen Strahlung, welcher für uns Menschen wahrnehmbar ist, liegt in einem Wellenlängenbereich von 380-780 nm. In diesem Bereich befinden sich alle wahrnehmbaren Farben.

 

Sichtbares Lichspektrum

 

Spiegelungen, die wir auf Brillengläsern wahrnehmen, sind demnach nichts anderes als elektromagnetische Strahlen, die auf die Glasoberfläche treffen und von dort zurückgeworfen oder gestreut werden. Um dem entgegenzuwirken werden, ähnlich wie bei einer polarisierten Sonnenbrille, spezielle Schichten aus Magnesiumfluorid durch thermisches Verdampfen auf das Brillenglas aufgetragen. Diese Schichten sind extrem dünn und besitzen einen eigenen Brechungsindex, der geringer als der des Brillenglases ist.

Durch das Auftragen dieser Schichten auf das Brillenglas entsteht eine zusätzliche Grenzschicht - eine zwischen Luft und aufgetragener Beschichtung und eine zwischen Beschichtung und Brillenglas. Während ein Teil des einfallenden Lichts von der Beschichtung reflektiert wird, fallen andere Lichtstrahlen hindurch und werden erst vom Brillenglas reflektiert. Das Licht legt also, je nachdem wo es einfällt, unterschiedlich lange Wegstrecken zurück. Wird es nun reflektiert, schwingen die Lichtwellen auf ihrem Rückweg nicht mehr synchron - es entsteht ein sogenannter Phasenunterschied, bestehend aus Wellental und Wellenberg. 

Treffen nun jeweils Wellenberg und Wellental der unterschiedlich reflektierten Strahlen aufeinander, so löschen sich die Wellen gegenseitig aus. Es kommt zur destruktiven Interferenz und somit zur Reflexminderung. Damit dieser physikalische Vorgang funktioniert, müssen die Schichten, je nach zu filternder Wellenlänge, eine bestimmte Dicke aufweisen. Da sich in der Praxis nicht alle Wellenlängen des Farbspektrums mit einer Schicht entspiegeln lassen, finden heute fast ausschließlich Mehrfachbeschichtungen ihre Verwendung auf Brillengläsern.

Eine gewöhnliche Entspiegelung reduziert die Reflexionen um 50%, ein vollentspiegeltes (oder superentspiegeltes) Glas sogar um 95%. Bei den Brillenglas-Experten ist jedes Glas vollentspiegelt. Der einzige Nachteil besteht darin, dass Fingerabdrücke auf entspiegelten Gläsern gut zu sehen sind. Deshalb ist jedes unserer Gläser zusätzlich mit einer Clean Coat Beschichtung (Lotuseffekt) versehen, die es Fingerabdrücken, Schmutz, Öl und Wasser erschwert, sich auf der Brille abzulagern.

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